60 words/min art critic by Lori Waxman – 2012

zu meiner Installation „Remember Grandmother’s Armchair“ im Rahmen der documenta13 — 60 wrd/min art critic

60 WRD/MIN ART CRITIC // KASSEL // 001

Claudia Arndt

Vorwiegend wird die Collage als eine moderne künstlerische Methode betrachtet, doch der Modernismus selbst wiederum wird zumeist als männliche Ausdrucksform beschrieben.

Doch auf die Collage trifft das keineswegs zu und dies wird sehr gut am Werk und an der Person von Claudia Arndt spürbar und ersichtlich. Selbst bunt gekleidet, behängt mit zusammengenähten Taschen, anscheinend handgemacht aus lieb gewonnenen Resten von diesem und jenem, gekleidet in wie das Fell des Leoparden gefleckte und türkisfarbene Filzüberwürfe, so ist auch ihre Arbeit auf gleiche Weise zusammengesetzt, aber entschieden monochrom gehalten.

Doch auch hier ist alles liebevoll in Zusammenhang gebracht, vielleicht sogar auf noch zartere Weise. „Remember Grandmother’s Armchair“ ist eine Installation, die sich seit 1999 immer weiterentwickelt und die Inspirationsquelle dazu ist Arndts Großmutter, die sie in Handwerkskünsten wie dem Nähen, Absteppen und Sticken unterwiesen hat, die nun für einen neuen Zweck genutzt – oder vielmehr umfunktioniert – werden.

Sie verfertigt Serien von weichen, zweidimensionalen Textilien, die flüchtige Bilder der Vergangenheit mit einem netten nichtsdestotrotz gewitzten Augenzwinkern auf die Gegenwart verweben.

Ein gesticktes Portrait ihrer Vorfahrin, die darauf so glamourös erscheint, wie es sich für Frauen aus den 20er und 30er Jahren gehört, lädt zu näherer Betrachtung ein: Lose, verdrehte Fäden wölben sich über der einen Augenbraue, wohingegen straff gespannte eine elegante Linie von der anderen Braue nach unten zur Nase der Dame ziehen. Im Grunde genommen jedoch funktioniert dies als ein größeres und stärkeres Ganzes, das dazu in der Lage ist, sich kontinuierlich zu erweitern und wieder zusammenzuziehen … und das mit hoher Geschmeidigkeit.

Das ist eine Collage; und Feminismus ist es auch.

60 WRD/MIN ART CRITIC // KASSEL // 001

Claudia Arndt

Collage is widely considered a modernist practice, but modernism has so often defined itself as a masculine mode. Collage, however, is not, and this can be felt and seen in the work and person of Claudia Arndt. Polychrome in person, with patterned bags that seem handcrafted from beloved scraps of this and that, clothed in leopard and turquoise felt wraps, her work is equally pieced together but decidedly monochrome. But it is as lovingly united, even more delicately so. “Remember Grandmother’s Armchair,” an installation in progress since 1999, takes its inspiration from Arndt’s grandmother, who taught her the women’s crafts of sewing and quilting that she has repurposed—or, rather, de-purposed—to make a series of soft, two-dimensional textiles that weave fleeting images of thepast into kind yet smart winks at the present. A stitched portrait of her elder, appearing as glamorous as women did in the 1920s and30s, bears close looking: loose, loopy threads arch one eyebrow, while tight ones trace an elegant line from the other anddown the lady’s nose. Ultimately, though, it must function as part of a larger, stronger whole, able to continuously expand andcontract, and to do so with great suppleness.

That is collage. And it is feminism, too.

- Lori Waxman 6/6/12 2:25 PM Claudia Arndt -

Liebe Claudia Arndt, herzlichen Dank für die Teilnahme an „60 wrd/min art critic“ im Rahmen der dOCUMENTA (13).
Als Anlage finden Sie bitte eine Kopie Ihrer Besprechung, sowohl im englischen Original wie auch in deutscher Übersetzung.

In der kommenden Woche wird sie in der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) publiziert – alle Kritiken erscheinen online, einige davon auch gedruckt – und bleibt während des gesamten Verlaufs der dOCUMENTA (13) in unserem Büro einsehbar.
Mit freundlichen Grüßen, Ihre Lori Waxman 60 wrd/min art critic http://60wrdmin.org


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